Seit Wochen steht das Kritikgespräch mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin an. Das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten, bei dem Sie genau spüren, wie viel dabei auf dem Spiel steht. Oder die Rückmeldung an einen Kollegen oder eine Kollegin, die Sie nicht vor den Kopf stoßen wollen, obwohl Sie längst wissen, dass Sie etwas sagen müssten.
Schwierige Gespräche brauchen beides: die richtige innere Haltung und die passenden Worte. Beides lässt sich entwickeln – und beides lässt sich üben, auch bei Erschöpfung.
Sie melden sich zu Wort – und die Besprechung geht weiter, als hätten Sie nichts gesagt. Erst hinterher fragen Sie sich, woran es gelegen hat: am Zeitpunkt, am Ton, oder daran, wie viel Raum Sie sich selbst gegeben haben.
Eine andere Herausforderung liegt woanders: Sie führen das Gespräch – aber merken hinterher, dass Sie nicht ganz bei sich waren. Zu forsch, zu zurückhaltend, oder einfach nicht Sie selbst in dem, was Sie gesagt haben.
Wer sich auf ein schwieriges Gespräch vorbereitet, sollte es nicht nur inhaltlich und psychologisch durchdenken, sondern die Situation auch konkret proben. Nach einer Simulation geht man anders in das Gespräch hinein – klarer, weil der Ablauf des Gesprächs schon einmal durchlebt wurde.
Als Arbeits- und Organisationspsychologe kenne ich die Dynamiken, die schwierige Gespräche im Beruf so belastend machen. Als Klinischer Psychologe verstehe ich, was passiert, wenn ein Mensch in einem belastenden Gespräch innerlich blockiert. Und aus meiner Zeit als Schauspieler weiß ich, was es bedeutet, in einer aufgeladenen Situation bei sich zu bleiben.
Jede Begleitung beginnt mit dem konkreten Gespräch, das Sie beschäftigt . Sie schildern mir die Situation, wir ordnen sie gemeinsam ein: Was steht auf dem Spiel, was wollen Sie erreichen, wiederholen sich Muster und wo hat es bisher gehakt?
Wir spielen das Gespräch konkret durch – mit den Einwänden, Fragen und Reaktionen, die im echten Gespräch auftauchen könnten. Danach reflektieren wir gemeinsam: Was hat funktioniert, was hat sich falsch angefühlt, und woran lässt sich weiterarbeiten?
Werner Landsgesell
Arbeits- und Organisationspsychologe, Klinischer- und Gesundheitspsychologe, Schauspieler
Leystraße 154/122
1020 Wien